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Geschichte des Bürgerhofs

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... und der Umgebung


2007

Der Bürgershof wird durch Herrn Steffen Kirchner als neuer Pächter übernommen.

1682

Im 17. Jahrhundert wurde die frühere Kurfürstenstraße (jetzige Waldmüllerstraße) als basaltgepflasterte Straße zum Jagdschloss Glienicke angelegt. (1682 für den Kurfürsten Friedrich Wilhelm als Jagdschloss ausgebaut).

Zwischen 1863 und 1887 wurden in Kleinglienicke zehn Wohnäuser im Schweizer Stil durch Prinz Carl von Preußen, Bruder von Friedrich Wilhelm IV., errichtet. In dieser Zeit erfolge auch die Bebauung an der früheren Kurfürstenstraße, so auch das heute noch vorhandene Altgebäude, das seinerzeit als sog. Bierhalle errichtet wurde und die von der eigenen Dampferanlegestelle ankommenden Gäste versorgte.

 


1845

Im vis à vis gelegenen späteren Schlosspark Babelsberg befanden sich bereits ab dem 13. Jahrhundert privat genutzte Weinberge, in denen später auch Obst angebaut wurde.

Im Zuge der Schloss- und Parkanlagenbebauung (ab 1845) entstand der heute weitest- gehend in seiner ursprünglichen Form wieder hergestellte Schlosspark Babelsberg.

 


1886

1886 ist das straßenseitige Hauptgebäude im Florentiner Renaissance-Stil von dem bekannten Potsdamer Architekten W.E. Petzholtz errichtet worden.

Mutmaßlich von diesem, im selben Stil, ist die auf dem nahegelegenen Böttcherberg stehende Loggia Alexandra (1869) errichtet worden in Erinnerung an die Zarin Alexandra, Schwester des Prinzen Claus.

 


1873

Der Bürgershof ist als Bier- und Weingartenrestaurant seit 1873 ein besonderer Anziehungspunkt für Potsdamer, aber insbesondere auch Berliner Gäste gewesen.

Der Petzholtz-Bau mit einem Festsaal für 1000 Personen und seiner zum Garten hin ausgerichteten Veranda, dem bis zum Wasser reichenden Biergarten mit weiteren 1000 Plätzen, der an der Glienicker Lake stehende Musikpavilion und die hauseigene Dampferanlegestelle stellten ein bauliches Ensemble einmaliger Art dar. Um 1900 befand sich hier eines der größten Gartenlokale Europas mit bis zu 92 Kellnern.

 


1941

Zur Kaiserzeit, insbesondere nach der Reichsgründung, in den 20er Jahren und bis zu der kriegsbedingten Einstellung des Biergartenbetriebes 1941 galt der als "anerkannt bestrenommiertes und größtes Etablissement der Umgegend Potsdam".

Zum Tanz spielte in den Sommermonaten mittwochs und sonntags die Kapelle des Infanterieregiments Nr. 9 auf (Eliteregiment der preußischen Infanterie). Jeden Mittwoch nach dem 1. eines Monats wurde ein großes Elite-Feuerwerk abgebrannt.

 


1945

Ab 1945 war infolge der kriegsbedingten Schäden nur noch ein Notbetrieb aufrechterhalten worden.

Die Potsdamer Jugend soll den "Tanzpalast" noch bis Anfang der 50er Jahre genutzt haben.

 


1953

Nach dem Aufstand vom 17. Juni 1953 sind die Grenzsicherungsmaßnahmen verstärkt worden.

 


1961

Nach dem 13. August 1961 sind die Grenzbefestigungen mit einer sog. Vorderland- mauer direkt am Uferstreifen der Glienicker Lake und einer sog. Hinterlandmauer, dazwischen mit dem sog. Todesstreifen versehen worden.
Das gesamte Grundstück des Bürgershofs, insbesondere der herrliche Biergarten mit dem alten Baumbestand wurde gefällt und eine geharkte Sandfläche angelegt, damit Fluchtversuche erkannt und vereitelt werden konnten. In dem stillgelegten Hauptgebäude (Petzholtz-Bau) sollen sich in den 60er Jahren Flüchtlinge versteckt und versucht haben, auf die in der Glienicker Lake einmündenden Transportschiffe (in Richtung Teltowkanal/Westberlin) aufzuspringen.

 


1970

Am 01.12.1970 ist das Bürgershof-Grundstück zum Ausbau der Grenzanlagen nach dem Verteidigungsgesetz der DDR enteignet worden.

 


1971

Am 15.01.1971 ordnete der Rat der Stadt Potsdam, Abt. Inneres, zusammen mit der Kreiseinsatzleitung der NVA Stadtkommandantur Berlin und dem Rat des Bezirkes die Sprengung des Hauptgebäudes/Petzholtz-Baus an. Der Abriss dieses Gebäudes erfolgte durch das MfS-Autobahnkombinat.

Der Petzholtz-Bau ist bis auf die Grundmauern beseitigt, das Gelände eingeebnet, das vorhandene Kellergeschoss verfüllt worden und eine geharkte Sandfläche als Teil der Grenzsicherungsanlagen entstanden.

Seitdem klafft zwischen den Grundstücken Waldmüllerstraße 3-6 eine 40m breite Lücke. Als Restbestand blieb mitten im Grenzbereich des heutigen Altbestandes die frühere Bierhalle erhalten.

 


1976

Am 28.06.1976 wurde die Rechtsträgerschaft auf den Rat der Stadt Potsdam Abt. Kultur (!) übertragen mit der Begründung "Grundstück wird ausschließlich für kulturelle Zwecke genutzt". Tatsächlich ist lediglich ein Teil des straßenseitigen Altgebäudes als sog. Wohngebiets-Club für die in der Enklave wohnende Bevöl- kerung (ca. 500 Personen) genutzt worden.
Mehr als 90% der Grundstücksfläche war mit Sperranlagen bebauter Mauerstreifen.

Noch heute zeugt die auf dem Gelände vorhandene fünfarmige Beleuchtungs- einrichtung von dem früheren Grenztruppencharakter des Grundstückes.

 


1989

Nach der Wende im November 1989, bis Frühjahr 1990, sind die vorhandenen Grenzanlagen geschliffen und bis auf die heute noch vorhandene Laterne beseitigt worden.

Diese ist letztes sichtbares Zeichen der vormaligen Grenzanlagen. Sie soll in Er- innerung an die wechselvolle Geschichte des Bürgershof-Grundstückes erhalten bleiben.

 


1990

1990 stellten die, zur Nazizeit und im kalten Krieg vertriebenen vormaligen Eigentümer, einen Antrag nach dem VermG auf Rückübertragung des Grundstückes

 


1992

Am 36.06.1992 wurde auf Antrag der Stadt Potsdam ein sog. Vermögenszuordnungs- bescheid für das Bürgershof-Grundstück erteilt und die Stadt Potsdam als Eigentümer eingetragen mit der Begründung, das -gesamte- Grundstück (!) sei bis 1990 als Wohngebiets-Club genutzt worden.

 


1998

1998 ist der Antrag der Alteigentümer auf Rückübertragung des Bürgershof-Grund- stückes abgewiesen worden mit der zuvor vom Bundesverwaltungsgericht bestä- tigten Rechtsauffassung, Enteignungen nach dem VertG der DDR zur Errichtung von Grenzanlagen stellen kein "teilungsbedingtes Unrecht" dar und somit keinen unter das VermG fallenden Schädigungstatbestand (!).

Aus Empörung gegen diese Rechtsprechung bzw. Rechtslage im Vermögensgesetz hatte der Deutsche Bundestag bereits im Juli 1996 das Mauergrundstücksgesetz verabschiedet, worin ein Rückkauf der enteigneten Mauergrundstücke geregelt ist.

 


2002

2002 wurde der rechtswidrige Vermögenszuordnungsbescheid zugunsten der Stadt Potsdam aufgehoben und die Bundesrepublik Deutschland (insoweit als Rechts- nachfolger der DDR und zuständig für nach dem VertG enteigntete Grundstücke) Eigentümer.

 


19.02.2002

Am 19.02.2002. 12 Jahre nach der erstmaligen Geltendmachung der Rückgabe durch die Alteigentümer, erfolgte der Rückerwerb des Grundstückes nach dem Mauergrund- stücksgesetz.

Nach umfangreichen Umbaumaßnahmen konnten nunmehr die öffentlich-rechtlichen Genehmigungen zum Betrieb des Bier- und Heurigengartens Bürgershof wiedererlangt werden.

 


15.07.2003

Eröffnung des wiedererrichteten Biergartens mit 650 Plätzen, einschließlich neuerrichtetem Toilettenhaus, 400m2 großer Kinderspielfläche, sowie tau- senden m2 Rasen- und Wegenfläche.

Arkadiens schönster Biergarten (29.06.2003 Welt am Sonntag)

 


Mai 2004

 


Zukunft

Der Bürgershof hat einen Antrag auf Errichtung des 1971 gesprengten Gebäudes gestellt.

Bautechnisch für zulässig befunden, ist der Antrag aus "denkmalrechtlichen" Grün- den abgelehnt worden.

Nach fünfjährigem Rechtsstreit hat im Februar 2008 das Potsdamer Verwaltungsgericht den Klagen der Bürgershof GmbH stattgegeben und festgestellt, daß der Wiedererrichtung des 1971 gesprengten Haupthauses und des Festsaales keine denkmalrechtlichen Gründe entgegenstehen. Jetzt kann mit der Neuerrichtung des infolge des Mauerbaus gesprengten Haupthauses begonnen werden

 


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