Streit um Bürgerhof
Gelände aus B-Plan Klein Glienicke herausgenommen
Eine Altlast Potsdamer Planungen nach der Wende
soll endlich auf den Weg gebracht werden: Der B-Plan Nummer 92 Klein
Glienicke. 1994 trug er noch die Nummer drei und wurde als Satzung
beschlossen. Die Genehmigung erteilte die Obere Baubehörde jedoch nicht.
Jetzt also ein neuer Anlauf, am Donnerstagabend war der Plan Thema im
Ausschuss für Recht, Sicherheit, Ordnung und Umweltschutz, nächste
Woche steht er auf der Tagesordnung des Bauausschusses.
Der Bürgerhof in der Waldmüllerstraße 5 ist samt zweier Nachbargebäude
aus dem B-Plangebiet herausgenommen worden. Was das für den Bürgerhof
bedeutet, ist nicht ganz klar. Stadtverordneter Klaus Hugler
(B90/Grüne) mutmaßt, das "Ende des Bürgergartens" werde mit dem
Auslegungsbeschluss besiegelt. Das liest sich im Antrag aber ganz
anders: "Die Ausflugsgaststätte Bürgerhof stellt für Klein Glienicke
eine lokale zu erhaltende Besonderheit dar und soll unbedingt wieder
errichtet werden." Das Hauptgebäude war 1971 gesprengt worden. Beim
geplanten Neuaufbau gibt es Bedenken der Stiftung Preußische Schlösser
und Gärten wegen der Bauhöhe. Die soll nun auf 38,50 Meter, sechs Meter
über dem anstehenden Gelände, beschränkt bleiben. Nach Meinung der
Verwaltung werden dadurch die Sichten aus dem Park nicht in dem Maße
beeinträchtigt, dass das Baurecht zu versagen wäre.
PNN Wochenendausgabe 24.08.2002
Arkadiens schönster Biergarten
Anno 1973 wurde in der Enklave Klein-Glienicke der Bürgershof gesprengt
- ein Berliner Rechtsanwalt läßt das Ausflugslokal jetzt wiederauferstehen
Von Peter Schubert
So hätte sich Gunnar Schnabel seine neue Nebentätigkeit sicher nicht
vorgestellt. Schon am frühen Nachmittag ist der Biergarten rappelvoll -
und ausgerechnet heute bleibt der Saft weg im "Bürgershof". Nicht dass
Schnabel als neuer Betreiber der Ausflugsgaststätte am Havelstrand
schon nach wenigen Tagen das Bier ausgegangen wäre. Ein Stromausfall
hat am Dienstag in der Orkannacht einfach seine Kühlschränke lahm
gelegt. "Was für ein Gerenne" schimpft der 41-jährige Rechtsanwalt,
"das Telefon geht immer noch nicht." Die Festgesellschaft freilich
nimmt es ganz gelassen.
Theatervolk ist zu Gast: Sasha Waltz, Jochen Sandig und das Ensemble
der Schaubühne haben den Biergarten reserviert, um das 40-jährige
Jubiläum ihres Theaters zu feiern. Der Grillteller schmeckt, das Bier
auch.
Und vor allem dieser atemberaubende Ausblick auf Preußens Arkadien. Wo
sonst kann man mitten im UNESCO-Weltkulturerbe im Biergarten sitzen und
zuschauen, wie die Sonne hinter dem Pfingstberg untertaucht?
"Wie auf Capri" lacht Schnabel, sichtlich bemüht, (für den Fotografen)
ein volles Tablett Berliner Weiße in Balance zu halten. Wohlgemerkt,
Schnabel ist eigentlich Rechtsanwalt. Und nicht Kellner. "Eine
Wirtschaft zu betreiben, das hätte ich mir vor wenigen Wochen nicht mal
träumen lassen", sagt er. Doch dann boten ihm Mandanten überraschend
den Biergarten an. 13 Jahre lang hatten sie mit Schnabel
um das Grundstück gekämpft. Das verbindet. "Sie wollten den Grund und
Boden jedenfalls nicht irgendwem als Bauland in den Rachen werfen",
sagt Schnabel.
Als "Datschen-Schnabel" hat sich der umtriebige Advokat in Berlin einen
Namen gemacht. Gleich nach der Wende stürzte er sich als junger Jurist
auf das Vermögensrecht, um Alteigentümern zur Rückübertragung ihrer von
der DDR geraubten Grundstücke zu verhelfen. Ein Einzelkämpfer, der auch
vor scheinbar aussichtslosen Fällen nicht zurückschreckte. Neben den
rechtlich komplizierten Datschenfällen hat sich Schnabel auf
Mauergrundstücke spezialisiert. Eines der wohl kniffligsten Verfahren:
der Fall Bürgershof.
Nur wenige wissen heute noch um die Geschichte des traditionsreichen
Lokals. Bereits seit 1873 wurde im "Bürgershof" Gerstensaft
ausgeschenkt. Zur Kaiserzeit galt das Lokal als "anerkannt
bestrenommiertes und größtes Etablissement der Umgegend Potsdam", wie
es in einem alten Prospekt heißt. Die Kapelle des InfanterieRegiments
Nr. 9 gab im Sommer immer sonntags Militärkonzert. Jeden ersten
Mittwoch lockte ein "großes Elite-Feuerwerk". 1000 Gäste faßte der
Garten, weitere 1000 Sitzplätze die 1886 im Renaissance-Stil errichtete
Gaststätte.
Auch nach dem Zweiten Weltkrieg existierte der "Bürgershof" wieder,
diente als Tanzpalast für die Potsdamer Jugend. Selbst
DDR-Ministerpräsident Otto Grotewohl war, zur Wiedereröffnung der
Glienicker Brücke, zu Gast.
Dann jedoch wurden die Betreiber von der DDR enteignet. Das idyllische
Arkadien wurde zweigeteilt. Heute erinnert nur ein riesiger Lichtmast
im Biergarten daran, dass genau hier die Berliner Mauer die pittoreske
Kulturlandschaft zwischen Potsdam und Babelsberg zerschnitt. Kaum mehr
vorstellbar, dass Klein-Glienicke eine Exklave war. 1971 hat das VEB
Autobahn-Kombinat dann sogar das Restaurantgebäude gesprengt, um freie
Schußbahn für die DDR-Grenztruppen zu schaffen. Vom Ufer aus, direkt an
der Zufahrt zum Griebnitzsee gelegen, konnten Flüchtlinge leicht auf
einen vorbeischippernden Havelkahn springen, um so via Teltowkanal nach
West-Berlin zu gelangen.
Als die Eigentümer nach dem Mauerfall endlich ihren Besitz
zurückforderten, lauerten neue Hürden: Erst sollten die
Mauergrundstücke gar nicht restituiert werden. Als schließlich vom
Gesetzgeber der Rückkauf zu 25 Prozent des Verkehrswertes eingeräumt
wurde, mauerte plötzlich die Stadt Potsdam. Die Verwaltung bestritt,
dass es sich jemals um ein Mauergrundstück gehandelt habe. Das
Grundstück sei früher "ausschließlich für kulturelle Zwecke genutzt"
worden, heißt es in einem Rechtsträgernachweis von 1976, auf den sich
die Stadt stur berief. Den Gegenbeweis trat Schnabel jetzt ausgerechnet
mit Fotos der DDR-Grenztruppen an - der Fotozirkel "Walter Junker"
hatte aus lauter Langeweile jedes Detail im Mauerstreifen geknipst.
Ende gut, alles gut? Am 5. Juli will Schnabel den Biergarten offiziell
eröffnen - und langfristig das Haupt-haus wiederaufbauen.
Welt am Sonntag, Berlin-Teil, S. 77
Alte Tradition wird fortgesetzt
Biergarten Bürgershof nimmt seinen Betrieb wieder auf
Welf Grombacher
Es ist soweit: Der Biergarten Bürgershof in Klein-Glienicke öffnet nach
Besitzerwechsel, umfangreichen Sanierungsarbeiten und zwischenzeitlich
verhängtem Baustopp endlich wieder seine Zapfhähne. Zwar läuft der
Gaststättenbetrieb seit knapp zwei Wochen, doch die feierliche
Eröffnung mit dem "Berliner Salonorchester" und dem "A-Cappella-Chor
Neues Deutschland" steigt am Samstag ab 13 Uhr.
Platz für 650 Durstige bietet die frisch gestaltete Außenanlage des
neuen Biergartens, in dem die gut bürgerliche Tradition des Gasthauses
fortgeführt wird. "Neben fünf verschiedenen Biersorten und Wein bieten
wir Bratwürste, Leberkäs, Brezeln und Krustenbraten" erläutert der neue
Besitzer des Bärgershofes Gunnar Schnabel. Der Potsdamer Rechtsanwalt
mit Kanzlei in Berlin sprang vor sechs Wochen ein, als der bisherige
Betreiber aus Berlin, der das Grundstück vor gut einem Jahr von der
Stadt gekauft hatte, aus finanziellen Gründen die Segel streichen mußte.
Geblieben ist der Name "Bürgershof Hotel und Restaurant GmbH". Doch ein
Hotel will der Rechtsanwalt auf keinen Fall an der Waldmüllerstraße
bauen. "So hieß nur die alte Aktiengesellschaft, die den Garten und die
1873 erbaute Bierhalle betrieben hat. Den Namen habe ich mir sichern
lassen", erklärt Schnabel. "Ich will so an die mehr als 130-jährige
Tradition des Biergartens anknüpfen und den Garten wieder zum anerkannt
bestrenommierten und größten Etablissement der Umgegend Potsdam machen,
wie es in historischen Quellen heißt."
Rund 800 000 Euro hat der neue Besitzer in die Umgestaltung der
Freifläche und die Sanierung der Schankstube gesteckt. Auch ein
Toilettenhaus und einen kleinen Kinderspielplatz hat er angelegt. Alles
ohne Kredit und ohne Fördermittel. Darauf ist er stolz. Dabei war es
nicht einfach, das Grundstück umzugestalten. "Fünf verschiedene
Behörden haben Mitspracherecht und drei davon unter-schiedliche
Vorstellungen, wie das Gelände zu entwickeln ist", berichtet der
Rechtsanwalt, der schon für den Vorbesitzer die rechtlichen Belange
regelte und sich mit dem von der Stadt verhängten Bau-stopp vor ein
paar Wochen rumschlagen mußte. "Von der Farbe der Sonnenschirme bis zur
Pflanzung von Johannisbeersträuchern neben dem Freisitz war alles
vorgegeben", so Schnabel. Auch die 20 Autostellplätze vor dem Haus.
Die nehmen übrigens fast genau die Fläche ein, die der 1886 von
Petzholtz errichtete Neorenaissance-Gasthof beanspruchte. Eine Option
für einen Neubau auf dieser Fläche will sich der Besitzer offen halten
und sie notfalls vor Gericht durchsetzen. "Obwohl ich in den nächsten
zehn Jahren nicht plane, zu bauen", teilt Schnabel mit. Im Dezember
soll erstmal der schon vorhandene, südlich angelagerte Festsaal mit
historischem Deckengebälk eröffnet werden.
PNN, Do. 03.07.2003
Einkehr in Klein Glienicke
Das Ausflugslokal "Bürgershof" bietet wieder Speise und Trank
Klein Glienicke. Der "Bürgershof" in
Klein Glienicke ist zu neuem Leben erwacht. Nach der Ouvertüre am
vergangenen Wochenende wird die traditionsreiche Gaststätte mit dem
großen Biergarten zwischen Waldmüllerstraße und dem Wasserweg an diesem
Sonnabend offiziell eröffnet.
Ab 13 Uhr werden die Gäste unter den
blauweißen Sonnenschirmen von Peter Meister und seinem Gastronomenteam
mit Speise und Trank bewirtet, um 15 Uhr beginnt die Einweihungsparty.
Sie verspricht, ein Volksfest zu werden, wozu Markstände beitragen
wollen. Ein Stand aus Wien kommt mit Obst aus Österreich und mit
Erzeugnissen, die daraus gewonnen werden, wie Früchteschnaps.
Spreewälder Gurken und Bautzener Senf können gekostet und erworben
werden. Natürlich ist auch an mancherlei Abwechslung für die Kinder
gedacht. Um 16 Uhr wird das Berliner Salonorchester aufspielen und an
die Zeit erinnern, als der Bürgershof den Ruf als größtes Potsdamer
Ausflugslokal genoß und einen herrlichen Ballsaal hatte. Noch mehrere
Jahre nach dem zweiten Weltkrieg erklang hier Tanzmusik.
Dann kam der kalte Krieg. Das von Baumeister Petzholz geschaffene
Hauptgebäude wurde in den 1970er Jahren abgerissen, weil es im
DDR-Grenzgebiet lag, nach der Wende mußten die Eigen-tumsverhältnisse
neu geordnet werden. (PNN berichteten) "Hotel und Gaststätten
Bürgershof GmbH" - der Name existiert weiter, Inhaber ist nun
Rechtsanwalt Gunnar Schnabel. In den vergangenen Monaten ist auf dem
Gelände kräftig gebaut worden. Groß war der Aufwand beim Verfüllen des
ehemaligen Kellergeschosses, auf dem sich nun neben neuen Rasenflächen
und Gehölzen der Biergarten erstreckt. Im verbliebenen Altbau, in dem
einst auch eine Kegelbahn untergebracht war, ist eine "Küche mit
Kühlleitung vom Feinsten entstanden", ein neues Toilettengebäude hat
schon von sich reden gemacht.
Bei schlechtem Wetter und auch in der kalten Jahreszeit soll im modernisierten Altgebäude serviert werden.
PNN 05.07.2003
Bayerisches an der Glienicker Lake
"Bürgershof" Klein-Glienicke nach einem dreiviertel Jahr Umbaupause wieder offen
Nach einem dreivierteljahr Bauzeit hat am Sonnabend
die Traditionsgaststätte "Bürgershof" in Klein-Glienicke wieder
eröffnet. Bei Live-Musik des Berliner Salonorchesters und Gratis-Sekt
zur Begrüßung tummelten sich Stammgäste und Neugierige im 650 Plätze
fassenden Biergarten auf dem malerisch gelegenen Areal an der
Glienicker Lake. Für 800 000 hat Inhaber Gunnar Schnabel das Innere des
Hauses komplett modernisiert und ein Toilettenhäuschen mit 35 WCs
errichten lassen. Neu ist auch das original bayerische
Biergartenmobiliar. Auf der Fassade des Lokals derweil hat nur der
"Bürgershof" Schriftzug frische Farbe. Wäre die Außenfront saniert
worden, hätte dies die Öffnung des Hauses "wegen Abstimmungsfragen mit
der Denkmalpflege" nicht verzögert, sondern dem Lokal ein
möglicherweise zu edles Aussehen gegeben, sagt der Inhaber.
Passend
zum Ambiente präsentiert sich die Gastronomie ländlich. Zum bayerischen
Weißbier vom Faß gibt es Deftiges zu vergleichsweise kulanten Preisen,
zum Kaffee frischen Blechkuchen. Ende des Jahres soll auch das
Restaurant im Innern mit 150 Plätzen öffnen. An zehn Meter langen,
wuchtigen Tischen werde ebenfalls hauptsächlich deutsche Küche
serviert. Bis dahin will Schnabel auch Souvenirs rund ums Lokal
anbieten. Etwa Postkarten mit historischen Motiven des Ausflugsziels um
die Jahrhundertwende sowie T-Shirts mit Aufdruck des (beim
Markenpatentamt München mittlerweile weltweit geschützten) Namens
"Bürgershof". In den nächsten drei Wochen er-wartet der Inhaber
Spielgerät, damit auch für die Kleinen der Ausflug lohnt.
Sechs Festangestellte und vier Saisonkräfte kümmern sich um das Wohl
der Gäste. Der "Bürgershof" hat wochentags ab 13 Uhr sowie am
Wochenende und an Feiertagen ab 11 Uhr geöffnet.
MAZ, Mo. 07.07.2003
Neues Leben im Historischen Bürgershof - Konzerte und Wiener Küche sind angesagt
Von Georg Jopke
Klein-Glienicke. Die Sonne hielt sich versteckt
und gelegentlich tröpfelte es auf die 20 großen Sonnen-schirme an der
Waldmüllerstraße. Dennoch aber kam bei der Neueröffnung des
traditionsreichen "Bürgershof"-Biergartens am Sonnabend die richtige
Ausflugs-Stimmung auf. Das Gastronomen-Team unter Restaurantleiter
Peter Meister hatte guten Anteil daran und natürlich das Berliner
Salonorchester, das in "Caféhausbesetzung" einen Strauß bunter Melodien
aus vergangenen Zeiten darbot. Und damit an jene Tage erinnerte, als
der Bürgershof größtes Potsdamer Ausflugslokal war.
Gunnar
Schnabel, Rechtsanwalt mit Wohnsitz in der Berliner Vorstadt und
nunmehriger Besitzer des Wassergrundstücks an der Glienicker Lake hatte
am Eröffnungstag viele Hände zu schütteln. Groß war die Schar der
Freunde und Bekannten, die Blumen, Glück- und Erfolgswünsche
überbrachten. Heinz Galz und Gattin kamen mit ihrem aufpolierten
Chevrolet-Oldtimer vom Baujahr 1929 vorgefahren, der im Potsdamer
Stadtbild schon so viel Aufmerksamkeit findet. Vertreter der Berliner
Philharmonie waren gekommen und die Historikerin Dr. Monika Tatzkow
überreichte ein historisches Plakat, auf dem der Bürgershof in
Neubabelsberg seine Kon-zerte ankündigte.
So soll es wieder werden, versprach Gunnar Schnabel, der gern Auskunft
über Vergangenheit und Zukunft des Lokals gab, der über das achtjährige
Verfahren zur Eigentumsregelung berichtete und auch einen Blick in das
aufwändig sanierte Wirtschaftsgebäude mit Küche und Sozialeinrichtungen
für die Beschäftigten gewährte. Bis November dieses Jahres haben die
Bauhandwerker noch zu tun, denn aus der einstigen Kegelbahn wird ein
Gastraum für Schlechtwettertage und für die Winterzeit. Dann werden in
das Gebäude sowie in die Außenanlagen rund 800 000 Euro investiert
worden sein. "Ohne jedwede Fördermittel", wie Bauherr Gunnar Schnabel
mit Nachdruck betont. Im nächsten Sommer sollen am Ufer noch zehn
Strandkörbe aufgestellt werden. Zu den 650 Sitzplätzen, die gegenwärtig
der Biergarten bietet, kommen noch etwa 150 hinzu. Größere Bauvorhaben
sind dann zunächst nicht in Sicht. Sie sind aber auch noch nicht
abgeschrieben.
Schmuckstück des Lokals war ja ursprünglich das von Baumeister
Petzholtz im Jahre 1886 errichtete Portalgebäude mit dem großen
Ballsaal. Es war in den 70er Jahren abgerissen worden, weil es im
Grenzgebiet stand. Einen großen Neubau an dieser Stelle darf es nach
Meinung der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten, der Denkmalpflege
und der Stadtverwaltung nicht geben. Sie wollen Sichtachsen vom Park
Babelsberg zu den hinter der Waldmüllerstraße liegenden
Schweizerhäusern und auf das ganze weite Gebiet erhalten, das jetzt zum
Weltkulturerbe gehört. Deshalb auch die strengen Auflagen für die
Gestaltung des Biergartens. Für Gunnar Schnabel aber ginge ein Traum in
Erfüllung, wenn hier wieder ein Ballsaal nach historischem Muster
entstehen könnte. "Ich habe mein Herz an das Objekt verloren", gesteht
er und verweist darauf, dass derzeit ein Bauvorbescheidverfahren läuft.
Also noch offene Fragen, die auch bei der hiesigen Bürgerinitiative
Gesprächsthema sind. Ganz sicher ist, dass es im nächsten Jahr im
Bürgershof in Klein-Glienicke eine ganze Reihe von
Konzertveranstaltungen geben wird, und dass sich das Restaurant ganz
besonders auf Spezialitäten der Wiener Küche ausrichtet.
PNN, Mo. 07.07.2003
Gäste aus dem Paradies
Zwölf Kinder von der Südsee-Insel Atiu verzaubern
mit ihren Tänzen den Klein-Glienicker Bürgershof
Der Himmel scheint nicht mehr ganz so grau, die Luft
nicht mehr ganz so kühl, und das Wasser der Glienicker Lake - schimmert
es nicht ein wenig türkis? Es ist der Zauber der Südsee, der an diesem
Donnerstagabend mitten im Potsdamer Nicht-Sommer den Klein-Glienicker
Bürgershof zu einer tropischen Oase macht. Trommelklänge schallen über
den See, immer schneller wird ihr Rhythmus, immer schneller kreisen
dazu die Hüften, fliegen die nackten Füße über den Sand, zucken die
braunen Arme und Beine, blitzen die funkelnden Augen.
Sechs Mädchen und sechs Jungen sind es, die auf einer kleinen
freigeräumten Fläche zwischen den Bierbänden den Sommer herbeizaubern -
die Tanzgruppe der Enuamanu-Schule auf der Insel Atiu der Cook Islands.
Sie tragen keine Schuhe, ihre Röcke haben sie aus der inneren Rinde der
Hibiskusbäume selbst hergestellt, und die Mädchen verhüllen ihren Busen
mit den halbierten Schalen von Kokosnüssen. Begleitet werden die 13-
bis 15-jährigen Kinder von einer fünfköpfigen Band, deren erwachsene
Instrumentalisten voller Inbrunst die Texte zu ihrer Musik singen - sie
huldigen Tangaroa, dem Hauptgott der Insel Atiu, einer Meerjungfrau,
die zur Königin der Meere wird, oder schlicht ihrer eigenen
Lebensfreude.
Ins deutsche Sommer-Grau hat sie Jürgen Manske-Eimke gebracht - mit
Hilfe der thüringischen Landesregierung. Denn die hat für die
jugendliche Tanzgruppe die Hälfte der Flugkosten übernommen, und das
eigentliche Ziel der Enuamanu-Schüler war auch nicht Potsdam, sondern
das thüringische Zeulenroda. Dort haben die Cook-Insulaner die Herzen
im Sturm erobert: Beim 2. Europäischen Hula-Festival gewannen sie den
Gesamtpreis und die Publikumsauszeichnung, und ihr Können hat sich im
halben Bundesland herumgesprochen. Schließlich hatte Manske-Eimke
Auftritt in vielen Städten organisiert. Die Mädchen und Jungen von Atiu
tanzten in Gera, Jena, Weimar, aber auch auf Fehmarn und in Stuttgart.
Für fast alle von ihnen ist es die erste Reise weg von ihrer Insel -
auf einen kühlen Kontinent. "Sie haben es alle sehr gut verkraftet, und
wegen des Wetters ist auch keiner krank geworden", sagt Manske-Eimke.
Der 62-Jährige, den die Kinder nur "Papa" nennen, ist für viele von
ihnen wohl tatsächlich einer. "Sie waren alle noch nicht geboren, als
ich auf die Insel kam." 21 Jahre ist das her. "1975 habe ich zum Glück
den Absprung ins Paradies geschafft", sagt der gebürtige Weimarer.
Seitdem lebt Manske-Eimke auf Atiu, baut Kaffee an. "Es ist ein Land,
in dem man das ganze Jahr mit drei T-Shirts und drei Shorts auskommt,
in dem es immer genug zu essen gibt, ob man arbeitet oder nicht", sagt
er. "Das gibt einen Eindruck von der Lebensphilosophie."
Allerdings will Manske-Eimke nicht nur seine Landsleute von der Südsee
begeistern. "Es ist Wahnsinn, welche Erfahrungen die Kinder gemacht
haben", erzählt er. "Heute war ich mit ihnen in Sanssouci, sie haben so
gestaunt." In Zeulenroda haben die Insulaner eine Woche bei
Gastfamilien gewohnt und eine deutsche Schule besucht, und auch ins
ehemalige Konzentrationslager Buchenwald ist Manske -Eimke mit ihnen
gefahren. "Ich habe lange mit mir gerungen, doch es ist ein Teil
unserer deutschen Vergangenheit." Finanzieren muß die Südsee-Truppe
solche Fahrten meist selbst, und viele ihrer Auftritte - auch der in
Potsdam - sind sogar kostenlos. "Das Geld ist nicht so wichtig", sagt
Jürgen Manske-Eimke. "Das allerwichtigste ist, dass wir zum
Kulturverständnis beigetragen haben."
PNN, Wochenendausgabe 17.07.2004
Südseezauber
Traditionelle polynesische Tänze stellte das Ensemble "Enuamanu Tamariki" von den Cook-Inseln am Donnerstagabend im Bürgershof in Klein-Glienicke vor. Die sechs Mädchen und sechs Jungen im Alter von 13 bis 15 Jahren gastieren zusammen mit sechs Musikern derzeit in mehreren deutschen Städten. Anlaß für ihre Reise nach Europa war das 2. Deutsche Hula-Festival in Zeulenroda. "Enuamanu Ta-mariki" wurde dort mit dem Gesamtpreis geehrt.
MAZ , Sa./So. 17./18.07.2004
Bürgershof bewirtet Bedürftige
Anwalt, TV-Star und Pfarrer ermöglichen Weihnachtsaktion
Carola Hein
Der festlich geschmückte Tannenbaum steht schon in der Restauranthalle
des Bürgershofes.
Christstollen und Vanillekipferl - natürlich nach österreichischem
Originalrezept - sind in Arbeit, und ab 13 Uhr werden am Heiligabend
auch Punsch und knuspriger Gänsebraten serviert. Eingeladen sind
heutige und ehemalige Bewohner von Klein-Glienicke, einsame und
hilfsbedürftige ältere Menschen, Obdachlose. Für alle soll es neben
kulinarischer auch geistige Stärkung geben bei gemeinsamem Singen und
eine stimmungsvollen Weihnachtsprogramm.
"Eine tolle Idee von Gunnar Schnabel, Brücken zu schlagen zwischen
Alteingesessenen, Zu-züglern und Menschen, denen es nicht so gut geht",
freut sich Stephan Flade über die karitative Initia-tive des Anwaltes
und Bürgershof-Geschäftsführers. Wer sich dermaßen "vorurteilsfrei" in
den Dienst der christlichen Botschaft stellt, dem ist die Unterstützung
des Pfarrers der evangelischen Kirchenge-meinde Babelsberg, der auch
für Klein-Glienicke zuständig ist, sicher. Selbst an einen gratis
Fahr-dienst für gehbehinderte und weiter entfernt wohnende Gäste ist
gedacht.
Schnabels Saalmiete von knapp 3000 Euro für den am vergangenes
Wochenende gedrehten neuen Quelle-Fernsehwerbespot macht's möglich. In
der Hauptrolle: Günther Jauch. Deutschlands Sympathieträger Nummer eins
ist seit 2003 Markenrepräsentant des zum angeschlagenen
Karstadt-Quelle-Konzern gehörenden Versandriesen. Dort kann man auch
"Jauch's Hund" ordern, ein interakti-ves Bernhardiner-Baby aus Plüsch.
Was manchen amüsierte, denn privat macht der von Marketingex-perten zum
glaubwürdigsten Promi Gekürte kein Hehl aus seiner Abneigung gegenüber
bellenden, haarigen Vierbeinern. Aber, was tut man nicht alles für
einen guten Zweck. Zu dem achtstündigen Dreh im Bürgershof, für den die
Waldmüllerstraße mit rollender TV-Hightech zugeparkt war, erschien
Jauch in Familie. Erstmals durften die Töchter dem Papa bei der Arbeit
zuschauen, der als Werbeträ-ger wiederum erstmals in Potsdam-Kulissen
vor der Kamera stand. Nicht direkt als Weihnachtsengel, aber eben doch
als guter Geist.
Lecker Gänsekeule und Grütze gratis
Traditionslokal Bürgershof bewirtete Senioren und ehemalige Klein Glienicker
Klein Glienicke Klaus Mannhöfer genießt sein
Bier im Bürgershof. "Otto Reinhardt, der frühere Chef, war mein
Patenonkel", erzählt der Rentner. 42 Jahre war er in Klein Glienicke zu
Hause. Jutta Jagßenties lob die "leckere" Gänsekeule. Auch sie und ihre
Söhne hatten die Einladung vom heutigen Geschäftsführer Gunnar Schnabel
gern angenommen, Heilig Abend mit Alt- und Neu-Klein Glienickern und
Hilfebedürftige in der festlich mit Tannenbaum und Krippe geschmückten
Bierhalle gratis zu tafeln. "Wir sind zwar nicht bedürftig, aber die
Idee fanden wir gut", so die 60-Jährige.
Die Sonne scheint zur
Mittagsstunde und man schwelgt in Erinnerungen an das Leben in der
einstigen Enklave. Die Kindergeburtstage der Jagßenties-Jungen gingen
meist ohne Schulfreunde über die Bühne. Denn: Die beim ABV beantragten
Passierscheine wurden abgelehnt. Weshalb? "Keine Ahnung", sagt die
Mutter. Aber: Das gemeinsame "Eingesperrtsein" habe vielleicht auch
"das Zusammengehörigkeitsgefühl unter den Nachbarn" gefördert, glaubt
die Schulsekretärin, die inzwischen am Schlaatz wohnt.
Die rote Grütze mit Vanillesoße zum Abschluß des Weihnachtsmenüs ist
ein Gedicht. Insgesamt 30 Gäste fanden den Weg ins Traditionshaus, das
um 1900 mit 2000 Plätzen im Saal und im Freien und fast 100 Kellnern
eines der größten Gartenlokale Europas war. Der junge Bürgershof-Koch
Christopher Krauß hatte weitere 30 Gänsekeulen für die Senioren der
evangelischen Kirchengemeinde Babelsberg zubereitet und in die
Karl-Liebknecht-Straße geliefert. "Schade, dass der Saal nicht voll
geworden ist", meint Michaela Klein vom Service. Vielleicht nächstes
Jahr. "Obdachlose lesen vermutlich keine Zeitung", versucht Schnabel zu
trösten und drückt Klaus Mannhöfer zum Abschied noch eine Tüte mit
Vanille-kipfeln, Sekt, Bioäpfeln und Nüssen in die Hand.
Vanillekipferl und selbst gebackenen Stollen gab es für die Gäste der Weihnachtsfeier im Klein-Glienicker Bürgershof
Gans dank Jauch
"Wo ist denn Günther Jauch?" fragt ein älterer Herr etwas irritiert. Seine Augen suchen das Restaurant des Bürgershofes in Klein-Glienicke ab. Mit seiner Frau hat er sich am Vormittag des Heiligen Abends auf den Weg dorthin gemacht. Eingeladen hat der Geschäftsführer des Ausflugslokals Gunnar Schnabel. Mit Vanillekipferl, selbst gebackenem Stollen nach dem Rezept seiner Großmutter und Gänsekeule mit Rot- und Grünkohl bewirtet er seine Gäste - kostenlos. Alleingebliebenen, alten Menschen, aber auch ehemaligen und neuen Klein-Glienicker Bürgern will Schnabel damit an Weihnachten eine Freude bereiten. Nur mit Günther Jauch kann der Bürgershof-Chef nicht aufwarten, auch wenn der Potsdamer TV-Moderator großen Anteil an der Feier hat: Am ersten Adventswochenende hatte Jauch im Bürgershof einen neuen Fernsehwerbespot für das Versandhaus Quelle gedreht. Den Erlös von rund 3000 Euro nutzte Schnabel direkt für sein Weihnachtsfest, das in dieser Form erstmals stattfindet. Begeistert von der Idee ist Jutta Jagßenties. Mit ihrem Sohn Volker hat sie sich aufgemacht, Bilder mit von den alljährlichen Treffen ehemaliger Klein-Glienicker mitgebracht. 1945 erblickte die Mutter dreier Kinder auf dem an die Glienicker Lake und den Griebnitzsee angrenzenden Stückchen Land das Licht der Welt. Sie schwärmt vom einstigen dörflichen Charakter. Im Kalten Krieg gehörte Klein-Glienicke zum Grenzgebiet. Nach und nach zogen die "Ureinwohner" weg, erzählt Jutta Jagßenties. Bürgershof-Chef Gunnar Schnabel hört zu. Er ist interessiert an den Geschichten der Menschen, die seine Gäste sind. Mit 17 Jahren begann er, sich in der Berliner Bahnhofsmission zu engagieren. Etwas für andere Menschen zu tun, ist ihm wichtig, sagt der 42-Jährige. Der aus dem ehemaligen West-Berlin Stammende wuchs in einem christlichen Elternhaus auf. Und so wollte er auch seinem Fest im Bürgershof einen religiösen Rahmen geben. Gewinnen konnte er für sein Vorhaben den Babelsberger Pfarrer Stephan Flade. Dass nur 15 Männer und Frauen seiner Einladung gefolgt sind, scheint Schnabel zu betrüben. Er hätte gern mehr Menschen an Heiligabend mit dem Beisammensein beschert.
PNN, Mo. 27.12.2004
Namen und Nachrichten
"Arkadiens schönster Biergarten" beschäftigt Hobbyhistoriker. Stolz präsentiert Kuroosh Naderi, Restaurantleiter des 2003 wiedereröffneten "Bürgershof" in Klein Glienicke, eine stattliche Scherbe aus Porzellan, die vielleicht von einer Fleischplatte stammt. In gut lesbarer bordeauxroter Schrift ist am Rand der Name des Traditionslokals eingebrannt. "Um 1900 haben die Gäste des 1873 gegründeten Bier- und Weingartenrestaurants offenbar von solchem Geschirr gespeist", mutmaßt Naderi. Ein Nachbar habe den Fund unlängst beim Umgraben im Garten entdeckt und vorbeigebracht. Danach flatterte noch ein Weihnachtsgeschenk per Brief von Bernd Richter ins Haus. Der Schiffsführer der "Fredericus Rex", der bei Wannseerundfahrten regelmäßig den idyllisch an der Einfahrt zum Teltowkanal gelegenen Gasthof passiert, hat gerade dienstfrei. Die saisonale Winterpause der Haveldampfschifffahrtsgesellschaft bescherte dem Potsdamer historische Fotos, die er digitalisierte und an den "Bürgershof" adressierte. Darunter ausgezeichnete Luftaufnahmen der hauseigenen Dampferanlegestelle. "Früher, vor dem Mauerbau, fuhr von dort sogar mal eine Fähre über Glienicker Brücke nach Sacrow", erzählt Richter. Die Bilder hatte sein Kollege Jörg Boldt, der zu DDR-Zeiten in der Enklave lebte, im Familienalbum bemerkt. Der Bootsmann konnte Mutter Gisela überzeugen, die Raritäten zum Kopieren kurz herauszugeben. Es handele sich um undatierte Postkarten, vermutlich aus den 1920er Jahren, so Boldt. "Wir haben im Petzholtz-Bau noch verstecken gespielt", erzählt er. Das sind "hervorragende Zeitdokumente", freut sich Bürgershof-Eigentümer Gunnar Schnabel, der vor dem Verwaltungsgericht klagt, das 1971 gesprengte Gebäude mit Festsaal wieder aufbauen zu dürfen.
MAZ 29.12.2004
Nicht allein gefeiert
»Weihnachtsaktion im "Bürgerhof«
Als ehemalige Einwohnerin von Klein-Glienicke war ich mit meinen Söhnen am Heiligabend zu Gast
bei der Weihnachtsaktion im Restaurant Bürgershof. Eingeladen zu
Christstollen und Vanillekipferl sowie knusprigen Gänsebraten hatten
der Geschäftsführer selbst, Günter Jauch und Pfarrer Stephan Flade
kostenlos. Eine wirklich tolle Idee von Gunnar Schnabel, Brücken zu
schlagen zwischen ehemaligen Einwohnern, Zuzüglern und Menschen, denen
es nicht so gut geht, die Weinachten nicht allein sein möchten.
Wenn auch Christopher Krauß als junger Bürgershof-Koch sowie Michaela
Klein, Ines Orsetti, Restaurantchef Kuroosh sowie der eigentliche
Initiator dieser karitativen Initiative etwas traurig über die
Besucherzahlen waren, diese Aktion ist der Beginn einer Weihnachtsfeier
in religiösen Rahmen, die zur Tradition werden sollte.
Zur Tradition geworden ist inzwischen auch schon das seit 1991
regelmäßig stattfindende Treffen zu Himmelfahrt der ehemaligen
Klein-Glienicker, für das sich Achim Saenger aus Leverkusen sehr
engagiert.
Am 05. Mai 2005 treffen sich alle "Ehemaligen" ab 10 Uhr im Bürgershof.
Hoffentlich gelingt es Jens Arndt bis dahin schon Sponsoren zu finden,
die sich für das geplante Buchprojekt über den so geschichtsträchtigen
Ort Klein-Glienicke und seine Menschen interessieren.
PNN, Mo. 03.01.2005
Biergarten mit bayerischer Brotzeit
Der Bürgershof im neuen Gewand bietet auch
Almdudler, Spanferkel, Maultaschen und Krustenbraten
Am Ufer des Teltowkanals leuchten die Kunststoffsessel neongrün,
weithin sichtbar für Bootsfahrer und Fußgänger, die vom Süden kommend
die Parkbrücke passieren. Das Schloss Glienicke liegt im Norden,
Schloss Babelsberg im Westen. Dazwischen schlummert ein Tal, Klein
Glienicke, wo einst Apfelbäume für den König gepflanzt wurden. Heute
ernten dort Kleingärtner die roten Früchte. Manche von ihnen kehren
danach in den Biergarten ein. Das romantische Plätzchen am Wasser -
hier wurde in den letzten Jahren hausgemachte Sülze und kaltes Bier
serviert - gilt auch als Geheimtipp unter den Berlinern. Vor einem Jahr
eröffnete der Bürgershof im neuen Gewand.
Acht Jahre lang hat Gunnar Schnabel für die korrekte Rückübertragung
gegen die Stadt Potsdam gekämpft. Dagegen ging das Bauen ganz schnell.
Jetzt ist aus der Ruine mit dem wilden Brombeergestrüpp ein Biergarten
auf englischem Rasen mit Lounge Plätzen am Wasser geworden. Vor der
viel zu großen Küche mit dem Ausschank stehen die Gäste in langer
Schlange. Nach alter Münchener Biergartentradition holen sie sich die
Brotzeit und das Gezapfte selbst. Doch was von außen wie ein Biergarten
anmutet, ist im Innern historische Ausstellungshalle oder Café. Von der
Kaiserzeit in den zwanziger Jahren bis zur kriegsbedingten Einstellung
des Betriebes galt der Bürgershof als renommiertes und größtes
Etablissement in der Umgebung von Potsdam.
Heute kommen die Gäste nach einem Spaziergang im Babelsberger Park,
einem Fahrrad-Ausflug oder nach der Arbeit aus Potsdam und Berlin und
werden von Kuroosh Naderi und seinem Team begrüßt.
Der Manager persischer Herkunft sei das Juwel des Lokals, das eine
beliebte Arbeitsstätte für Studenten aus Potsdam sei, sagt Schnabel.
Seit 15 Jahren ist Naderi in Berlin, organisierte Bankette und
Festveranstaltungen im ICC, bevor er Schnabel kennen lernte und der
Hauptstadt den Rücken kehrte, um in Potsdam tätig zu sein.
Die Idee, das Restaurant zu sanieren und das historische Hotel, das
zerstört wurde, wieder aufzubauen, treibt die beiden um. Schnabel, der
in Potsdam wohnt, verbringt seine Freizeit am liebsten in dem Café am
Wasser. Er genießt nicht nur die österreichische Küche, die auch
Kräuterlimonade bereithält, sondern ebenso den Blick auf die königliche
Parkanlage und die vorbeifahrenden Schiffe auf dem Teltowkanal, der die
Havel mit den Berliner Seen verbindet. Früher war hier sogar eine
Dampferanlegestelle.
Für die Wiedereinrichtung dieser Haltestelle, die an der
Bundesstraße liegt, kämpft der Anwalt weiter. Doch dafür braucht er
erstmal acht Genehmigungen.
Wenn Richter den Biergarten besuchen, kann es schon mal sein, dass sie
dem Rechtsanwalt aus Berlin begegnen - doch nicht in der gewohnten
schwarzen Robe, sondern mit einem Tablett voller leerer Biergläser.
Und was gibt es zum Bier dazu? Mal Rustikales wie gebrutzeltes
Spanferkel mit Brot, Krustenbraten mit Kartoffelsalat, Gewürzsteak,
Maultaschen oder Kartoffeln mit Sauerrahm. Für saisonbedingte
Tagesgerichte wie Matjes und frischen Spargel aus der Region müssen
Gäste 5 Euro, sonst zwischen 3 und 7 Euro berappen. Die Blechkuchen
sind vom Bäcker aus Berlin-Charlottenburg frisch gebacken, das Stück
Kuchen kostet 2 Euro, Käsekuchen 2,50 Euro.
Bei gutem Wetter können bis zu 650 Personen auf den Bierbänken
draußen sitzen - für 160 Personen ist in der Halle Platz genug, um
große Feste oder Familienfeierlichkeiten zu begehen. Viel Holz ziert
die Decke der lichtdurchfluteten Stehbierhalle aus dem 19. Jahrhundert,
die originalgetreu wieder hergerichtet wurde. Der neue Besitzer will
die vielen Veränderungen in der Geschichte des Domizils wach halten.
Demnächst erscheint ein Buch über das wechselvolle Auf und Ab des
Bürgershofs, der schon kaiserliches Tanzlokal, königlicher Biergarten
und Garten-Kneipe war und im Grenzstreifen lag.